Knie-TEP: Was Sie über Ihr künstliches Kniegelenk wissen müssen
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Eine Knie-TEP (Knie-Totalendoprothese) ersetzt die abgenutzten Gelenkflächen durch ein künstliches Kniegelenk, meist dann, wenn eine fortgeschrittene Arthrose den Alltag stark einschränkt. Der Entscheidung für eine Knieprothese geht oft ein jahrelanger Leidensweg mit Schmerzen und eingeschränkter Mobilität voraus. Mit einem künstlichen Kniegelenk können viele Betroffene wieder schmerzärmer gehen, wandern oder gelenkschonenden Sport betreiben. Dennoch ist die Knie-OP ein Eingriff, der bei Patientinnen und Patienten viele Fragen aufwirft. Vom Ablauf der eigentlichen OP, bis zur Rehabilitation danach, der richtigen Nachsorge, Physiotherapie und Fragen zur Bewältigung des Alltags mit einem künstlichen Kniegelenk.
Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die Knie-TEP: Vom Ablauf der Operation über den Heilungsverlauf bis zur Reha und zum Alltag mit dem neuen Gelenk. So können Sie sich gut informiert auf Ihren Eingriff vorbereiten.
Wann wird eine Knie-TEP notwendig?
Eine Knie-TEP kommt in Frage, wenn eine fortgeschrittene Arthrose starke Schmerzen verursacht und konservative Behandlungen nicht mehr ausreichend helfen. Die häufigste Ursache für die Notwendigkeit eines künstlichen Kniegelenks ist die Kniegelenksarthrose (Gonarthrose). Je früher Knieschmerzen orthopädisch abgeklärt werden, desto mehr Behandlungsmöglichkeiten stehen noch zur Verfügung. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose im Kniegelenk und wenn andere, konservative Therapiemethoden nicht mehr die gewünschten Resultate liefern können, kann jedoch ein Gelenkersatz erforderlich sein. Eine gründliche fachärztliche Untersuchung klärt dabei, ob ein Teilgelenkersatz oder totaler Kniegelenkersatz notwendig sein wird. Entscheidend sind dabei nicht allein die Röntgenbilder, sondern auch Ihr Leidensdruck und Ihre Einschränkungen im Alltag. Das empfiehlt auch die deutschsprachige S2k-Leitlinie „Indikation Knieendoprothese“ (AWMF).
Was wird bei einer Knieprothesen OP gemacht?
Bei der Operation werden die abgenutzten Gelenkflächen entfernt und durch Implantatteile aus Metall und Kunststoff ersetzt. Der Eingriff dauert je nach Prothesenart etwa 50–90 Minuten. Wenn eine Gelenkersatzoperation ansteht, werden Sie entweder am Tag der Operation oder einen Tag davor im Spital aufgenommen. Der Eingriff wird unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie (Kreuzstich) durchgeführt. Die Operation erfolgt über einen Schnitt mittig über dem vorderen Knie. Die Gelenkskapsel wird eröffnet und anschließend wird die abgenutzte Gelenkfläche entfernt und durch eine künstliche Prothese ersetzt. Nach dem Eingriff werden die Gelenkkapsel und die Haut vernäht und das Knie mit einem Verband versorgt. Ausführliche Informationen zu den Prothesenarten finden Sie auf unserer Seite zur Knieprothese.
Habe ich Schmerzen nach der Knie-OP?
Schmerzen nach einer Knie-TEP sind normal, lassen sich in der Regel aber gut behandeln und nehmen über die ersten Wochen deutlich ab. Während der Operation wird ein lange anhaltendes Lokalanästhetikum in und um das Kniegelenk appliziert, das die Schmerzen etwa 12 Stunden deutlich lindert. Die postoperativen Beschwerden lassen sich damit meist sehr gut behandeln und sind in der Regel deutlich geringer als die vorangegangenen Arthroseschmerzen.
Belastungsschmerzen und eine Schwellung können einige Wochen, teils auch einige Monate anhalten und bessern sich mit zunehmender Kräftigung. Nehmen die Schmerzen dagegen wieder zu, wird das Knie heiß und rot, tritt Wundflüssigkeit aus oder bekommen Sie Fieber, melden Sie sich bitte umgehend in unserer Ordination oder in der nächsten Notaufnahme.
Das gilt auch bei plötzlichen Wadenschmerzen oder Atemnot, da diese auf ein Blutgerinnsel hinweisen können – wählen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 144. Mehr zu möglichen Beschwerden nach dem Eingriff lesen Sie unter Prothesenbeschwerden.
Wie lange dauert die Heilung bei einem neuen Kniegelenk?
Die Wunde ist nach etwa zwei Wochen verheilt. Die Fäden, die wir zur Operation verwenden, lösen sich von selbst auf und müssen demnach nicht entfernt werden. Bis sich das künstliche Kniegelenk wieder ganz selbstverständlich anfühlt, vergehen meist mehrere Monate, bei vielen Betroffenen bis zu einem Jahr.
Welche Rolle spielt die Physiotherapie nach einer Knie-TEP?
Physiotherapie ist nach einer Knie-TEP einer der wichtigsten Faktoren für einen guten Heilungsverlauf. Die postoperative Physiotherapie hat erhebliche Auswirkung auf die Heilungsdauer und die rasche Wiederherstellung von Mobilität und Stabilität Ihres neuen Kniegelenkes. Bereits am Tag des Eingriffs dürfen Sie in der Regel selbstständig kurze Strecken gehen. Eine Vollbelastung ist direkt nach dem Eingriff möglich und erwünscht. Einige Patientinnen und Patienten bemerken in den ersten Tagen, dass sich das gestreckte Bein kaum anheben lässt. Diese sogenannte Beinhebeschwäche entsteht durch die Schwellung, die Betäubung und eine vorübergehende Hemmung der Oberschenkelmuskulatur. Sie ist häufig und bessert sich mit gezieltem Muskelaufbau in der Physiotherapie meist innerhalb weniger Wochen.
Was passiert in den ersten Tagen nach der Knie-OP?
Bereits am ersten Tag nach dem Eingriff beginnen erste Mobilisationsübungen unter der Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten. Es wird Ihnen gezeigt, wie Sie sicher aus dem Krankenbett aufstehen können und Sie erlernen das Gehen mit Krücken. Auch noch während des Spitalaufenthaltes werden Sie das Treppensteigen üben. Ziel dieser stationären Physiotherapie ist in erster Linie, Alltagsaktivitäten mit der neuen Knieprothese wieder zu erlernen. Begleitend dazu wird meistens eine manuelle Lymphdrainage durchgeführt, die den Abtransport von Gewebeflüssigkeit fördert und die Schwellung reduzieren kann.
Nach Ihrer Entlassung beginnen Sie mit einer ambulanten Physiotherapie und trainieren weiterhin Beweglichkeit, Muskelkraft und Stabilität des Gelenkes. Um die Schwellung des Beines nach der Operation zu reduzieren, wird in den meisten Fällen zusätzlich eine manuelle Lymphdrainage verordnet. Der Erfolg der Therapie hängt weitgehend von Ihrer Eigeninitiative und ob Sie die Übungen selbstständig von zu Hause weiterführen, ab. Ein wichtiges Ziel ist die Beweglichkeit: Nach etwa sechs Wochen lässt sich das Knie meist um rund 90 Grad beugen, was Treppensteigen und bequemes Sitzen problemlos ermöglicht. Langfristig erreichen viele Patientinnen und Patienten mit einer Knie-TEP eine Beugung von etwa 110 bis 120 Grad. Ebenso wichtig ist, dass Sie das Knie wieder vollständig strecken können.
Wie lange muss ich nach einer Knieprothesen-OP im Krankenhaus bleiben?
Der Spitalsaufenthalt bei einer Knieprothesen-OP beträgt ca. 5 – 7 Tage, je nach Heilungsverlauf auch kürzer. In der Zeit erhalten Sie bereits eine Physiotherapie und werden anschließend mit Krücken entlassen. Zur Vorbeugung von Blutgerinnseln bekommen Sie für die ersten Wochen nach der Operation in der Regel ein blutverdünnendes Medikament verordnet.
Wie lange muss man nach einer Knie OP mit Krücken gehen?
In der Regel wird empfohlen etwa 4 Wochen mit Krücken zu gehen, um das Knie zu schonen und eine optimale Heilung zu ermöglichen. Kurze Strecken in den eigenen vier Wänden können aber schon in den ersten Tagen nach der Operation ohne Krücken zurückgelegt werden. Sollten Sie sich ohne Krücken unsicher fühlen, empfehle ich Ihnen, die ersten 4 Wochen Ihre Krücken zu verwenden. Ein Sturz sollte unbedingt vermieden werden. Weglassen können Sie die Krücken, sobald Sie sicher und ohne Hinken gehen. Wer zu früh ohne Stütze humpelt, gewöhnt sich leicht ein ungünstiges Gangbild an.
Kann ich nach der Knie-OP alleine zu Hause sein?
Ja, die meisten Patientinnen und Patienten kommen nach der Entlassung zu Hause alleine zurecht, wenn sie sicher aufstehen, gehen und Treppen steigen können. Hilfreich ist eine gute Vorbereitung schon vor der Operation: Stolperfallen wie lose Teppiche entfernen, häufig benötigte Dinge auf Greifhöhe platzieren, einen Duschhocker und eine Greifzange bereithalten und Einkäufe für die ersten Tage organisieren. Gerade in den ersten ein bis zwei Wochen ist es sinnvoll, wenn Angehörige oder Nachbarn erreichbar sind.
Wie lange darf ich nach der Knieprothesen-OP nicht Autofahren?
In der Regel wird empfohlen, für mindestens 6 Wochen nach der Operation nicht selbst Auto zu fahren. Das neu eingesetzte künstliche Kniegelenk braucht genügend Zeit um zu heilen und sich genügend zu stabilisieren. Nur so kann die für das Autofahren erforderliche Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und Kontrolle des Beins gewährleistet werden. Vor dem Wiedereinstieg ins Autofahren empfehlen wir Ihnen eine Testfahrt auf einem ruhigen Parkplatz zu unternehmen. So schaffen Sie sich die Möglichkeit zu überprüfen, ob Sie sich beim Fahren auch sicher fühlen.
Wie lange ist man mit einem künstlichen Kniegelenk arbeitsunfähig?
Wie schnell es vorangeht, hängt vom Eingriff und von Ihrem Allgemeinzustand ab und kann stark variieren. Nach etwa sechs Wochen bewältigen die meisten Patientinnen und Patienten ihren Alltag weitgehend selbstständig, nach etwa drei Monaten ist das Knie meist deutlich belastbarer. Bis Schwellung und Restbeschwerden ganz abgeklungen sind, kann es bis zu einem Jahr dauern. PatientInnen mit einem Teilgelenkersatz (Schlittenprothese) haben deutlich kürzere Rehabilitationszeiten.
Welche Bewegungen sind mit einer Knie-TEP verboten?
Anders als nach einer Hüftprothese gibt es nach einer Knie-TEP keine starre Liste verbotener Bewegungen. Welche Belastungen wann wieder möglich sind, besprechen wir individuell mit Ihnen. In den ersten Wochen sollten Sie das neue Gelenk aber vor Überlastung schützen und Folgendes vermeiden:
- tiefe Hocke und Knien auf dem operierten Bein
- Drehbewegungen unter Belastung, etwa ruckartiges Umdrehen auf dem Standbein
- Springen, Laufen auf hartem Untergrund und andere Stoßbelastungen
- Heben und Tragen schwerer Lasten
- dauerhaftes Hochlagern mit einem Kissen unter der Kniekehle, weil dadurch die Streckung leiden kann
- Situationen mit erhöhter Sturzgefahr wie nasse Böden, Leitern oder Glatteis
Wie lange dauert die Rehabilitation?
Die Zeit der Rehabilitation hängt vom Eingriff und vom Allgemeinzustand des/der PatientIn ab und kann stark variieren. In der Regel wird eine Rehabilitationszeit von 4 bis 6 Wochen benötigt. Nach 2 – 4 Monaten ist schließlich die Beweglichkeit vollständig und schmerzfrei wiederhergestellt. PatientInnen mit einem Teilgelenkersatz haben deutlich kürzere Rehabilitationszeiten.
Warum ist die Rehabilitation nach einem künstlichen Kniegelenk so wichtig?
Die Reha hilft, Kraft, Beweglichkeit und ein sicheres Gangbild wiederherzustellen, damit Sie das neue Gelenk im Alltag gut nutzen können. Eine Knie-Operation ist ein traumatisches Ereignis für den Körper und kann dazu führen, dass der Patient/die PatientIn Muskeln und Beweglichkeit im Kniebereich verliert. Zudem kann aufgrund der durch jahrelange Schmerzen verursachten Schonhaltung ein Muskelverlust und eine Fehlhaltung zustande gekommen sein. Eine frühzeitige Rehabilitation und Physiotherapie kann zu einer raschen Wiederherstellung von Mobilität und Stabilität des neuen Kniegelenks beitragen und helfen das Risiko auf Komplikationen und weitere Verletzungen zu reduzieren.
Die stationäre Rehabilitation nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks erfolgt meist 6-8 Wochen nach der Operation. Sie beinhaltet regelmäßige Übungen und Therapien, um das Gelenk zu mobilisieren, zu stabilisieren, seinen Bewegungsumfang zu erhöhen und die Muskelkraft zu verbessern. Während der Reha können Sie unterstützende Behandlungen wie Massagen und Wärmebehandlungen erhalten, um Muskelkrämpfe zu lindern. Alternativ zur stationären kann auch eine ambulante Rehabilitation gemacht werden. In der Zeit zwischen Entlassung aus dem Spital und Rehabilitation empfehle ich eine Physiotherapie.
Die Vorteile von Rehabilitation und Physiotherapie auf einen Blick:
- Schmerzlinderung: Physiotherapie und Reha können dabei helfen, Ihre Schmerzen nach der Operation zu lindern und die Schwellung zu reduzieren.
- Muskelaufbau: Eine starke und ausgewogene Beinmuskulatur unterstützt die Stabilität und Beweglichkeit des Kniegelenks.
- Beweglichkeit: Die Übungen zur Verbesserung von Flexibilität und Beweglichkeit beginnen bereits einen Tag nach der Operation. Sie werden Ihnen dabei helfen, den Bewegungsumfang Ihres Kniegelenks schrittweise zu steigern.
- Verbesserte Balance: Balanceübungen stellen Kontrolle, Koordination und Stabilität des Kniegelenkes wieder her und verbessern Ihre Gangart.
- Prävention: Physiotherapie kann dazu beitragen, das Risiko von postoperativen Komplikationen wie Blutgerinnseln zu reduzieren, indem sie den Blutfluss und die Durchblutung fördert. Darüber hinaus kann sie dazu beitragen, die Belastbarkeit des Knies zu erhöhen und die Stabilität des Gelenks zu verbessern, was das Risiko von Verletzungen reduzieren kann.
Wann ist Sport mit einer Knie-TEP wieder möglich?
Leichte, gelenkschonende Bewegung ist schon früh erlaubt. Mit Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren beginnen Sie meist nach etwa sechs Wochen bis drei Monaten, nach ärztlicher Freigabe. Wann Sie Ihr künstliches Kniegelenk wieder voll belasten können, ist individuell sehr verschieden. Dabei ist es wichtig, sich nach und nach heranzutasten und die Belastung vorerst langsam zu steigern. Nach etwa 3 Wochen können Sie langsam mit zyklischen Sportarten ohne Stoßbelastung wie Schwimmen oder Radfahren anfangen.
Jeder Mensch ist anders: Wir besprechen gerne mit Ihnen persönlich, welcher Sport mit Knieprothese für Sie geeignet ist. Wie lange ein künstliches Kniegelenk hält, lesen Sie in unserem Beitrag zur Haltbarkeit von Knie- und Hüftprothesen.
Ihre Knie-TEP bei Orthopädie 1150 in Wien
Priv. Doz. Dr. Florian Sevelda MSc ist ein zertifizierter Endoprothesenchirurg und hat sich durch zahlreiche Fortbildungen im In- und Ausland auf muskelschonende Operationsverfahren spezialisiert. Für eine schnellstmögliche Genesung werden modernste, minimalinvasive Methoden bei der Operation einer Knieprothese angewendet. Bei der Operation einer Knieprothese setzt er auf gewebeschonende, minimalinvasive Techniken. Ziel ist es, das Operationstrauma möglichst gering zu halten und Ihnen eine rasche Mobilisation zu ermöglichen. Das Resultat ist eine verkürzte Operationszeit, ein minimiertes Operationstrauma und eine schnellere Rehabilitation.
Gerne geht er bei einem persönlichen Termin auf Ihre individuelle Situation und offen gebliebene Fragen ein.