Bei einer Hüft OP wird das abgenutzte Hüftgelenk durch ein künstliches Hüftgelenk ersetzt, die sogenannte Hüftprothese oder Hüft-TEP (Hüft-Totalendoprothese). Für Betroffene mit chronischen Hüftschmerzen bedeutet dies häufig eine deutliche Schmerzerleichterung sowie mehr Bewegungsfreiheit in der alltäglichen Ausführung. Voraussetzung dafür ist jedoch nicht nur eine gelungene Operation, sondern auch eine anschließende Physiotherapie und eventuelle Rehabilitation.
Allgemeine Fragen beantworten wir im Beitrag Künstliches Hüftgelenk: die häufigsten Fragen.
Rückkehr in den Alltag und Nachsorge nach der Hüft OP: Worauf sollten Patientinnen und Patienten achten?
In den ersten Tagen nach der Hüft OP lernen Sie mit physiotherapeutischer Unterstützung, wieder selbstständig aufzustehen, zu gehen und Stiegen zu steigen. Bereits am ersten Tag nach der Hüftoperation wird unter physiotherapeutischer Anleitung begonnen, den Kreislauf zu trainieren. Zuerst wird das Bein im Liegen gestreckt und gebeugt, dann wird vermittelt, wie Sie sich am besten aufrichten und an- und ausziehen. Sie werden mit Ihrer Gehilfe vertraut gemacht und lernen, wie Sie sich sicher aufrichten und anziehen, und besprechen, wie stark Sie Ihre Hüftprothese belasten dürfen. In den Folgetagen wird die Gehstrecke schrittweise gesteigert und das Treppensteigen geübt. Dabei geht es hauptsächlich darum, Ihre Selbstständigkeit mit der neuen Hüftprothese wieder zu erlangen. Die zurückgelegte Gehstrecke wird sukzessive gesteigert und das Treppensteigen wird geübt. Sie bekommen Bewegungsübungen zur Verbesserung des Gangbildes und der allgemeinen Koordination.
Je nach physischer Fitness sollten Sie am Tag nach der Hüft OP mit aktiven Übungen beginnen.
Ab wann darf ich nach der Hüft OP duschen?
Duschen ist mit einem wasserfesten Pflaster meist ab dem zweiten Tag nach der Hüft OP möglich. Direkt nass werden darf die Wunde erst nach etwa zwei Wochen. Steigen Sie mit dem gesunden Bein zuerst in die Dusche und verlassen Sie sie auch wieder mit dem gesunden Bein. Eine rutschfeste Unterlage verringert das Sturzrisiko. Sie verringert das Sturzrisiko. Am besten verwenden Sie einen Schwamm mit einem langen Haltegriff, um um tiefes Bücken zu vermeiden.
Weitere Tipps für das Duschen nach der Hüft-OP:
- Die ersten 2 Wochen darf die Wunde nicht nass werden.
- Am besten duschen Sie mit einem wasserfesten Duschpflaster. Dieses muss nur gewechselt werden, wenn es nicht dicht sein sollte.
- Tupfen Sie nach dem Duschvorgang den feuchten Wundbereich mit einem frischen, weichen Handtuch trocken.
- Das Duschpflaster muss nur gewechselt werden, wenn es nicht mehr dicht ist.
- 2 Wochen nach der Operation, wenn das Duschpflaster entfernt wird, darf über die Wunde geduscht werden und diese auch nass werden.
- Auf Vollbäder sollten Sie in den ersten vier Wochen verzichten.
Längerer Wasserkontakt kann die Heilung der Operationswunde erheblich stören und im schlimmsten Fall einen erneuten Eingriff erforderlich machen. Stimmen Sie den passenden Zeitpunkt für das Duschen oder Baden daher unbedingt vorab mit Ihrem behandelnden Arzt ab.
Wie sitze ich nach einer Hüft OP richtig und wie lange muss ich aufpassen?
In den ersten etwa sechs Wochen nach der Hüft OP sollten Sie erhöht sitzen, sodass die Hüfte höher ist als die Knie und nicht stärker als 90 Grad gebeugt wird. Der Sitzplatz Ihrer Wahl sollte ein stabiler Stuhl mit Armlehnen sein. Verwenden Sie bei niedrigen Stühlen ein Sitzkissen, damit sie einen Hüft-Beugungswinkel von 90° nicht unterschreiten: Ihre Hüften sollten stets höher positioniert sein als die Knie. Stützen Sie sich beim Hinsetzen auf den Armlehnen ab und strecken Sie das operierte Bein nach vorne. Beim Aufstehen ebenfalls abstützen, auf den Stuhlrand rutschen und das gesunde Bein zuerst.
Wann darf ich nach der Hüft OP wieder Auto fahren?
Autofahren ist erst nach circa 6 Wochen nach der Hüft-OP möglich. Halten Sie dazu Rücksprache mit Ihrem Arzt. Das gilt vor allem, wenn die Operation auf Ihrer rechten Seite stattgefunden hat. Als Beifahrer können Sie bereits ab der Entlassung aus dem Krankenhaus mitfahren. Um gefahrlos ins Auto einsteigen zu können, schieben Sie den Sitz nach hinten und neigen die Rückenlehne zurück. Setzen Sie sich rückwärts langsam hin. Dann heben Sie beide Beine ins Auto und helfen sich dabei mit einem Griff unter die Oberschenkel.
Wann kann ich nach der Hüft OP wieder arbeiten?
Wie lange Sie nach einer HüftOperation im Krankenstand sind, hängt vor allem von Ihrem Beruf ab: Bei sitzender Tätigkeit ist ein Wiedereinstieg häufig nach etwa sechs Wochen möglich, bei körperlich belastender Arbeit meist erst nach rund drei Monaten.
Was darf ich nach einer Hüft-OP nicht machen?
Mit einer künstlichen Hüfte sollten Sie in den ersten Wochen nach der Hüft OP tiefes Beugen über 90 Grad, das Überkreuzen der Beine und starke Drehbewegungen vermeiden, weil sich das neue Gelenk sonst auskugeln kann. Diese Komplikation heißt Luxation. Der Prothesenkopf springt dabei aus der Pfanne, weil die Muskeln und Bänder, die das Gelenk stabilisieren, noch nicht vollständig verheilt sind. Nach deren Heilung sind selbstverständlich alle Bewegungen wieder möglich. Davor sollten Sie allerdings vorsichtig bei zu starken Drehungen des Oberkörpers oder bei Beugungen der Hüfte über 90° sein.
Vermeiden Sie in den ersten 6 Wochen folgende extreme Bewegungen:
- Beugen der Hüfte: Beide Knie sollten beim Sitzen immer tiefer sein als die Hüften. Verwenden Sie also Sitzkissen und eine Toilettenerhöhung. Auch beim Bücken können Sie diesen Winkel schnell überschreiten, etwa beim Anziehen von Schuhen und Socken. Greifzange, Strumpfanzieher und ein langer Schuhlöffel helfen dabei.
- Überkreuzen der Beine: Beim seitlichen Liegen auf der gesunden Hüft-Seite sollten Sie ein Polster zwischen die Beine legen.
- Starke Drehbewegungen des Beines: Nach innen und außen.
- Heben und Tragen schwerer Lasten
Wie lange dauert es, bis die Operationswunde abgeheilt ist?
Die Operationswunde ist nach einer Hüft-OP in der Regel nach 10–14 Tagen abgeheilt. Die Fäden, die wir zur Operation verwenden, lösen sich von selbst auf und müssen demnach nicht entfernt werden. Ist die Wunde nach zehn Tagen noch nicht verschlossen, ist sie gerötet, nehmen die Schmerzen zu oder bekommen Sie Fieber, kann dies ein Hinweis auf eine Gelenksinfektion sein. Melden Sie sich dann umgehend ärztlich. Diese seltene Komplikation muss rasch behandelt werden, da sonst die Prothese unter Umständen durch eine Wechseloperation ausgetauscht werden muss.
Wie lange muss ich nach einer Hüft OP auf Krücken gehen?
Gleich nach dem ersten Tag der Operation werden Sie mit Ihren Krücken vertraut gemacht werden. In der Regel benötigen Sie die Gehhilfe ca. 4-6 Wochen nach der Operation. Wenn Sie sich so weit sicher fühlen, können Sie kurze, Ihnen bekannte Strecken bereits in den ersten Tagen ohne Krücken zurücklegen. Das gilt auch für Abschnitte, bei denen Ihnen Kästen, Geländer oder ähnliches Halt und Stütze bieten können. Sobald ein Gehen ohne Schmerzen und Hinken möglich ist, können Sie auf den Einsatz der Krücken verzichten. Beim Treppensteigen gilt: hinauf mit dem gesunden Bein zuerst, hinunter mit dem operierten Bein und den Krücken zuerst.
Brauche ich nach einer Hüft OP eine Reha (Rehabilitation)?
Die Muskulatur hat einen großen Einfluss auf die Funktionalität der Hüftprothese. Doch nicht nur die Prothese gilt es durch den Muskelaufbau zu mobilisieren und zu stabilisieren. Durch die oft lange Erkrankung hat sich die hüftumgebende, die Bein- und Rückenmuskulatur stark verändert: Die Schonhaltung aufgrund von Hüftschmerzen hat meist ihren Beitrag zum Muskelabbau geleistet und ein verändertes Zusammenspiel der Muskeln verursacht. Eine Reha nach der Hüft OP ist nicht verpflichtend, aber sinnvoll: Sie stärkt die Muskulatur und verbessert die Beweglichkeit des künstlichen Hüftgelenks. In Österreich können Sie zwischen einer stationären Reha, meist für drei Wochen, und einer ambulanten Reha wählen.
Eine stationäre Reha nach der Hüft-OP dient dazu, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit des Gelenks zu vergrößern. Den Antrag stellen Sie in der Regel schon im Spital, Kostenträger ist meist die Pensionsversicherung. Die Reha findet ca. 6-8 Wochen nach der OP statt. Alternativ ist auch eine regelmäßige Physiotherapie möglich. Die stationäre Physiotherapie startet direkt am Tag nach der OP. Ziel ist es, Alltagsfähigkeiten wie Treppensteigen wiederzuerlangen – oft gelingt das bereits nach 3 bis 7 Tagen.
Wie lang dauert es, bis man nach einer Hüftoperation wieder fit ist?
Die volle Leistungsfähigkeit der Hüfte wird nach 4 Wochen bis 3 Monaten erreicht, abhängig von Alter, Muskulatur und Gesundheit. Nach 6 Wochen sind Gehstützen meist überflüssig, Spaziergänge und Radfahren wieder möglich. Nach etwa 3 Monaten können Sie mit gelenksschonendem Sport beginnen.
Was ist die AMIS-Methode bei einer Hüft OP?
Die AMIS-Methode ist ein minimalinvasiver Zugang von vorne für die Hüft-TEP, bei dem Muskeln nicht durchtrennt, sondern zur Seite geschoben werden. Ziel ist es, das Gewebe zu schonen und eine rasche Mobilisation nach der Hüftoperation zu ermöglichen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur minimalinvasiven Hüftprothese.
Als langjährig zertifizierter Endoprothesenchirurg gehe ich bei einem persönlichen Termin gerne auf Ihre individuelle Situation und Ihre offen geblieben Fragen ein.
Quellen
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Was erwartet mich vor und nach der Hüft Operation? gesundheitsinformation.de
- Pensionsversicherung: Medizinische Rehabilitation. pv.at